Meine Person
Meine Name ist Jean-Louis André Théodore Géricault. Ich bin in Rouen geboren und lebe heute in Paris. Hier habe ich von 1806-1808 das Lycée Impérial besucht und danach eine Ausbildung zum Buchhalter bei meinem Onkel Jean-Baptiste Caruel in seiner Tabak-Manufaktur absolviert. Währenddessen besuchte ich immer wieder heimlich Carl Vernet in seinem Atelier, der heute für seine Historien- und Schlachtengemälde bekannt ist. Ich bewunderte ihn sehr und habe dort meine Leidenschaft zum Malen entdeckt. 1810 trat ich dann in das neueröffnete Atelier von Pierre-Narcisse Guérin ein. Als Gewinner des Grand Prix de Rome war er eines meiner großen Vorbilder. Bei Ihm machte ich Bekanntschaft mit vielen interessanten Künstlern. Es war eine aufregende Zeit in der ich eine Menge erlebte und lernte. Ich war damals berauscht von der Kunst und ging immer wieder in den Louvre um die eroberten Kunstschätze von Napoleon zu bestaunen. Hin und wieder kam es dort zu Zwischenfällen, von denen ich allerdings nicht gern rede. Gott sei dank konnte Guérin immer wieder ein gutes Wort für mich bei Monsiuer Denon, dem Museumsdirektor, einlegen. Am 5.2.1811 war ich endlich an der École de Beaux Arts immatrikuliert. Das war ein erster Schritt zur Verwirklichung meines großen Zieles eines Tages an dem Wettbewerb um den begehrten Grand Prix teilzunehmen. Allerdings musste ich hier meinen ersten Misserfolg in Kauf nehmen. Und das nur, weil ich eben nicht malte wie es die antikisierende Doktrin den Malern vorschrieb. Aber dann sind sie eben selbst Schuld. Wer meine Kunst nicht versteht, der hat halt Pech gehabt. Ich habe mich nicht unterkriegen lassen und weiterhin hart gearbeitet. Irgendwann hat man mir sogar den Zugang zum Louvre untersagt. Stell sich das einer mal vor! Doch mein Reiter-Portrait das ich von meinem Freund Alexandre Dieudonné gemalt habe durfte ich dann trotzdem im November 1812 eröffneden Salon ausstellen. Dafür erhielt ich sogar auf Vorschlag Denons die Goldene Medaille. Die Wehrpflicht konnte ich damals übrigens durch einen Vertrag mit einem Ersatzmann umgehen. In den Jahren danach konnte ich mir endlich ein eigenes kleines Atelier aufbauen. Ich bekam sogar einen Auftrag Napoleons Adoptivsohn Eugène de Beauharnais zu portaitieren. Aufgrund von vielen politischen Niederlagen sollte dies der Propaganda des Regimes dienen und ich sollte obendrein 4000 Francs dafür erhalten. Dies war eine große Ehre für mich. Leider wurde Napoleon abgesetzt und unter Ludwig XVIII wurde der Vertrag aufgelöst. Ich entschied mich damals mit ein paar Freunden der berittenen Nationalgarde von Paris beizutreten, wurde Mousquetaire du Roi und schloss mich seinem Gefolge an. Hier hatte ich einige Tage einen Einblick in das Leben eines Soldaten aus dem "Fußvolk".Unter Napoleon wurden jedoch bald alle Mousquetaire wieder entlassen. Ich hatte nun endlich wieder Zeit mich der Malerei zu widmen und nahm zum zweiten Mal am Grand Prix Teil. Diesmal mit etwas mehr Glück kam ich bis zur zweiten Prüfung. Trotz der ganzen Mühen und dem Versuch mich dem vorherrschenden klassizistischen Schulmodell etwas mehr anzupassen habe ich es bis zur alles entscheidenden dritten Prüfung jedoch leider nicht geschafft. Mein erneutes Scheitern bewegte mich dazu meine Ausbildung selbst in die Hand zu nehmen und so beschloss ich nach Italien zu reisen und dort die Antike direkt vor Ort zu ergründen. Ich hielt weiterhin Kontakt zu meinem Freund Dedreux-Dorcy und unserem Lehrer Guérin, dem ich trotz allem viel zu verdanken habe. Meine Reise durch Italien war erlebnisreich und dabei nicht immer einfach. Mein Vorhaben die alten Meister der Antike und auch der Renaissance zu studieren endete in einem Gefühl der Einsamkeit und als Künstler unfähig zu sein. Von Florenz ging es weiter nach Rom und Neapel. Erst dort schaffte ich meine Unsicherheit zu überwinden und fing an Skizzenmaterial zu sammeln. Ich lernte außerdem andere Künstler wie Dominiue Ingres, Antonio Canova und Bertel Thovardsen kennen und freundete mich mit Victor Schnetz an. Das Leben in Rom inspirierte mich auch für meine Kunst, besonders die Pferderennenn. Ich reiste etwas früher wieder nach Paris und musste einige Leute enttäuschen. Meine Malerei konnte ich einfach immernoch nicht an die vorherrschende Ästhetik anpassen. Vielleicht wollte und will ich es auch gar nicht. Ich habe viel in Italien gelernt und konnte vor allem meine Arbeitsweise erneuern. Aber die Antike und die Antiquare des Klassizimus interessieren mich einfach nicht. Zumindest nicht so, wie man es von mir erwartet. Ich will das Leben erfahren und festhalten. Ich will malen was mich bewegt. Und nicht irgendetwas eingestaubtes wiedergeben, das können von mir aus die anderen erledigen. Was mich interessiert sind Genres die es noch nie gegeben hat. Entführungen, Vergewaltigungen, Enthauptungen, Bauern, Ochsentreiber. Ich will das wahre Leben malen. In all seiner Grausamkeit!
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