Gedanken...

Oktobder 1814

Es ist nun ein halbes Jahr her das Napoleon gestürzt wurde!
Seine Heimat ist nun das Exil in Elba.
Mir scheint als würde sich alles verändern. Alle Energien die sich auf die Kriege konzentrierten scheinen nun eine neue Richtungen einzuschlagen. Literatur und Philosophie, all das gewinnt an neuer Stärke und vor allem und das erfreut mich, scheint es die Kunst zu verändern.


Juni 1815

Napoleon ist zurück! Ein Herr von Soldaten wurde geschickt um ihn zu bewachen. Diese, verlockt von Versprechungen verbündeten sich mit ihm. Jedoch hielt die neu gewonnene Stärke nicht lange an, bei Waterloo in Belgien wurde Napoleon und seine Armee endgültig geschlagen!


2. Juli 1816

Ich bin in Italien, auf der Suche nach neuer Inspiration und neuen Ideen. Doch selbst hier ereilte mich die Nachricht über das Schiffsunglück der Fregatte Méduse.
Jenen von euch denen noch nicht davon berichtet wurde, kann ich nur sagen: es ist eine Katastrophe!

Da England die Kolonie im Senegal an Frankreich zurück gegeben hatte, schickte die französische Regierung vier Fregatten nach Afrika. Das Ziel der Schiffe war es Infanteristen zum Schutze der Besitztümer in den Senegal zu bringen.
Ein Schiff der Fregatte war die Méduse, sie galt als eins der modernsten und schnellsten Schiffe unserer Zeit.
Das Schiff segelte unter der Führung von Hugues du Roy de Chaumareys. Dieser wurde mit der Aufgabe Vertraut gemacht, als Dank für seine Königstreue. Jedoch besaß er keinerlei nautische Erfahrung und es kam, wie es kommen musste.
Bei ruhiger See lief die Méduse vor Afrika auf Grund und begann langsam zu sinken. Man bemühte sich tagelang um die Méduse wieder seetüchtig zu machen, aber das stolze Schiff war dem Untergang geweiht. Das Trinkwasser vermutzt, die Nahrungsvorräte erschöpft. Meuterei und Chaos bestimmten diese letzten Tage. Die Méduse bat 400 Personen platz, jedoch besaß es nicht genügend Rettungsboote für die gesamte Besatzung. Der Kapitän ordnete die niedrigen Ränge dazu an, aus dem Material des sinkenden Schiffes ein Floß zu bauen. Es hieß das die Rettungsboote, besetzt mit Matrosen und Kapitän würden das Floß mit an Land schleppen. Jedoch wurden nach kurzer Zeit die Leinen zum Floß gekappt und mit fast 140 Menschen der See überlassen.
13 Tage nach dem Unglück wurden von den 140 Matrosen, welche das Floß bestiegen nur 15 von der Mannschaft der Brigg Argus geborgen. Es überlebten zum Schluss nur zehn von ihnen.
Erst durch die Zeugenaussage des Schiffarztes und Überlebenden Sauvigny, wurde der Fall bekannt und über die Zeitung veröffentlicht.


14. Juli 1816

Ich habe den Zeitungsartikel über das Unglück der Médusa nun schon einige Male gelesen und jedesmal bleibe ich an dem Namen des Autoren Corréard hängen. Ich will ihn aufspüren und mir so aus erster Hand mehr Details über das Geschehene beschaffen, das Bild des Unglücks lässt mich nicht mehr los.


14. November 1817

Ich bin nun wieder zurück in Paris. Das prägendste meiner Zeit in Italien war wohl, dass ich den Zeitungsartikel über das Schiffsunglück gefunden hatte. Meine Gedanken kreisen noch immer um das Schicksal der Betroffenen.
Ich erhielt die Einladung für den Pariser Salon einen Beitrag zu leisten. Das Unglück der Méduse scheint mir das perfekte Thema hierfür zu sein. In den letzten Monaten wurden meine Gedanken von der Geschichte der Méduse bestimmt. Meine persönliche Motivation, diese Geschichte in einem Gemälde fest zu halten ist enorm und der Pariser Salon kommt mir sehr gelegen. Von Seiten der Regierung wurde versucht das Unglück zu vertuschen. Ich habe nun die Möglichkeit, mit Hilfe des Pariser Salons vielen Menschen von der Geschichte zu berichten.



Dezember 1817

Das Treffen mit dem Autor Corréard war mir eine große Hilfe. Es fällt mir nun leichter, mich in die Unglücksgeschichte hinein zu versetzten. Der Augenzeuge Sauvigny, welcher als Schiffarzt mit an Bord der Méduse reiste, wurde aus zweifelhaften Gründen mit einer Gefängnisstrafe belegt und war für mich somit unerreichbar.
Es ist kein leichtes für mich sich zu entscheiden, was der Mittelpunkt meiner Arbeit wird. Es gibt so Vieles das mich reizt.
Die Meuterei der Matrosen?
Das "Leben" auf dem Floß?
Oder die Übernahme der Geretteten auf das Schiff der Argus?
Ich suche den wohl schlimmsten Moment, doch es fällt mir noch schwer diesen auszumachen!

Im Moment liegt dieser für mich im "Leben" auf dem Floß, falls man dies so benennen darf.
Es muss grausam gewesen sein. Der Drang zu überleben so stark, dass man ein anderes Leben nimmt um sein Eigens zu erhalten. Allein der Gedanke von Kannibalismus lässt mich erschaudern, wie die kalte Hand eines Fremden auf meiner Haut.

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